Quartiersentwicklung in der Weststadt: Mehr als Stellplätze für Autos

Die Wahlkampfveranstaltungen der Grünen in den Ravensburger Stadtteilen sind gefragt, das Veranstaltungsformat „Grüne vor Ort“ kommt an. „Wie wollen wir künftig zusammenleben in der Weststadt?“ fragten amtierende grüne Gemeinderätinnen und -räte mit vielen Kandidatinnen und Kandidaten und Interessierten am Dienstagabend in der Waldorfschule an der Meersburger Straße und nahmen zahlreiche Anregungen mit, brachten aber auch eigene Ideen ein. Als Redner konnten sie ihren Landtagsabgeordneten und Minister für Soziales und Integration Manne Lucha gewinnen, der jahrzehntelang selbst Kommunalpolitik in Ravensburg gemacht hatte.

Lucha nannte als Ziel ein „achtvolles und respektvolles“ Zusammenleben im Quartier. Um alle, die im Quartier wohnen, am gemeinsamen Leben zu beteiligen, müssten Quartiere als „ganzheitlicher Sozialraum“ gedacht und entwickelt werden. Die Bevölkerung werde immer älter, wolle aber auch im Alter in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Das Land fördere mit seinem Quartiersprogramm Unterstützungsangebote, die dies möglich machen sollen. In der Gesundheitsversorgung müsse man deshalb „sektorenübergreifend“ und vom Patienten her denken. Ganz praktisch bedeute dies, dass die alleinstehende Rentnerin, die im Krankenhaus mit einem Oberschenkelhalsbruch operiert wird, am Tag nach der Operation weiß, dass sie in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren kann, auch wenn ihr Unterstützungsbedarf zunächst sehr viel höher ist, weil in ihrem Quartier die entsprechenden Hilfe- und Unterstützungsangebote vorhanden sind. Maria Weithmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ravensburger Gemeinderat, betonte im Anschluss an Lucha, bei der Quartiersentwicklung müsse man deshalb endlich damit aufhören, „immer zuerst an Stellplätze für Autos zu denken“. Wer statt der Stellplatz-Planung einen ganzheitlichen Ansatz verfolge, müsse Verkehre neu denken, besseren und bezahlbaren Öffentlichen Nahverkehr fordern und mehr Platz fürs Rad einplanen: „Wir müssen Wohnraum, Inklusion, Nahversorgung, Verkehr, Soziales, Pflege, Kita und Schule immer zusammendenken“, so Weithmann. Sie erläuterte ihre Forderungen an zahlreichen Beispielen in der Weststadt und ging auch auf die diskutierte Änderung der Bushaltestelle am Sprachheilzentrum ein. Die Variante, die vorsehe, große und für das Mikroklima so wichtige Bäume beim Sprachheilzentrum zu fällen, um Platz für eine Bushaltestelle zu schaffen, sei für sie so nicht akzeptabel. Das sei wieder nur vom Auto her gedacht. Die Grünen arbeiten deshalb an einer Einbahnstraßenlösung, die einen solch schwerwiegenden Eingriff unnötig mache. Ein Lob gab es auch für die Freie Waldorfschule, die einen ihrer Räume für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt habe. Die Schule begreife sich bereits als Teil des Quartiers, in dem sie angesiedelt sei und nehme ihre gesellschaftliche und soziale Verantwortung vorbildlich wahr.