Chris Kühn (MDB) besichtigt Mühlenviertel und hält Vortrag zur Bau- und Wohnungspolitik

Am Donnerstag war Chris Kühn, der Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der grünen Bundestagsfraktion zu Besuch in Ravensburg. Zusammen mit interessierten Bürgerinnen, seiner Kollegin aus dem Bundestag, Agnieszka Brugger und grünen Kandidaten für Kreis- und Stadtrat, besuchte er das sogenannte Mühlenviertel auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Bezner.

Andreas Weiß von der Bruderhaus Diakonie lud die Gäste in das neu eröffnete Café Bezner. Das 117 Jahre alten, denkmalgerecht renovierte Backsteingebäude in der Holbeinstraße 22 beherbergt eine Werkstatt für Menschen mit psychischer Erkrankung  mit 60 Arbeitsplätzen, eine an die Werkstatt angeschlossene Tagesstruktur mit 18 Plätzen und das inklusive Café mit Mittagstisch-Angebot. Außerdem einen Lebensmittelladen sowie Räume, die Gruppen und Vereine auch abends und am Wochenende für Kurse und Veranstaltungen nutzen können.

Nach der Führung durch die Räume der Bruderhaus Diakonie, übernahm Ingo Traub, Geschäftsführer der Firma Reisch Projektentwicklung, die Vorstellung der weiteren Gebäude auf dem ehemaligen Fabrikgelände. Traub betonte die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der privaten Bauherrengemeinschaft und unterschiedlichen Architekten der verschiedenen Wohnblöcke.

Auf dem Areal entstanden insgesamt rund 60 Wohneinheiten. Davon wurden 12 Wohnungen durch die Bauherrengemeinschaften im sogenannten Bezner-Turm geplant und gebaut. Noch sind die Bauarbeiten nicht ganz abgeschlossen, aber ein großteil der Wohnungen sind schon vermarktet und bezogen.

Anschließend liesen sich Chris Kühn und Agnieszka Brugger von Ingo Traub noch die nur wenige Schritte entferne Baustelle des Rinker-Areals zeigen - dem größten Konversionsprojektes in der Geschichte Ravensburgs.

Auf dem rund 35.000 Quadratmeter großen Areal, das seinen Namen von dem früheren Bauunternehmen Rinker hat, war bis 2017 das Pharmaunternehmen Vetter eingemietet. Die Produktionshallen sind inzwischen abgerissen, die Entsorgung des Bauschutts ist noch im vollen Gange.

Bereits im Juli 2016 hatte die Reisch Projektentwicklung GmbH & Co. KG gemeinsam mit der Rhomberg Bau GmbH das Gelände von der Karl Rinker GmbH & Co. KG erworben. Erklärtes Ziel ist die Umnutzung der bisher gewerblich geprägten Flächen in ein stadtnahes Wohnquartier mit rund 300 Wohnungen. Zur Neuordnung des Geländes wurde gemeinsam mit der Stadt Ravensburg im Herbst 2017 ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt. Aufgabe des Wettbewerbs war es, eine an der Hanglage, den umgebenden Grünelementen und der vorhandenen Umgebungsbebauung orientierte städtebauliche Struktur zu finden, die die Voraussetzungen zur Entwicklung eines qualitätsvollen Wohnstandorts schafft. Der Wettbewerb ist erfolgreich abegschlossen. Die Bauarbeiten werden Mitte nächsten Jahres beginnen, Ingo Traub rechnet mit einer Bauzeit von 2 bis 3 Jahren.

Nach einer kurzen Einführung durch den Ravensburger Stadtrat Jürgen Bretzinger stellte Chris Kühn um 19h im Wirtshaus Mohren in der Marktstraße unter dem Titel „Wie gelingt Nachverdichtung – Bezahlbares Wohnen ermöglichen“ die Grundzüge grüner Wohnungspolitik dar.

Dabei stellte er der Wohnungs- und Baupolitik der Großen Koalition in Berlin ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Union und SPD finden laut Chris Kühn keine Antwort auf die Herausforderungen durch die überhitzten Wohnungsmärkte. Die Neuvertragsmieten steigen, die Bestandsmieten steigen auch, die Immobilienpreise in den Ballungsräumen steigen extrem. Und diese Entwicklung macht nicht vor mittelgroßen Städten wie Ravensburg halt, das mittlerweile bundesweit an 25. Stelle der teuersten Städte liegt. Kühn begrüßt die Absicht der Ravensburger Grünen, eine kommunale Wohnbaugesellschaft zu gründen, denn der soziale Wohnungsbau wird im freien Markt allein nicht funktionieren. Mit den anwesenden Kandidatinnen und Mandatsträgern entwickelt sich eine anhaltende lebhafte Diskussion über die Chancen und Möglichkeiten der Ravensburger Wohnbaupolitik.