Grüner Agrarexperte Harald Ebner: Landwirtschaft leidet unter Klimakrise und verursacht sie.

In einem fundierten Vortrag hat der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner im Bräuhaus in Zußdorf bei Wilhelmsdorf Antworten auf die drängenden Fragen des Artenverlusts, des Klimawandels und der Einkommenskrise der Landwirte aus grüner Sicht formuliert. Der Agraringenieur und Landschaftsökologe, der selbst aus der Landwirtschaft kommt, ging die Probleme ganz praktisch an.

Nach Ebners Worten ist „das Ökosystem wie ein Lichtschalter. Das Licht brennt bis zu einem bestimmten Punkt und dann ist es aus. Niemand weiß, wann der Punkt in der Ökologie erreicht ist, es auszuschalten, aber alle Fachleute haben große Zweifel, ob es wieder angeschaltet werden kann.“ Es gebe viele Ursachen für die Störung des Ökosystems und für immer weniger Artenvielfalt. Über die beiden wichtigsten seien sich die namhaften Fachleute einig: Zum einen sei dies der sogenannte Strukturverlust in der Landwirtschaft, der dazu führt, dass an Wegen und Randstreifen immer weniger unterschiedliche Pflanzen wachsen würden. Zum anderen sei dies der massive Einsatz von Pestiziden. Durch ein Umdenken in der Landwirtschaft sei Umsteuern möglich, ist Ebner überzeugt. Die Landwirtschaft leide am meisten an der Klimakrise, verursache sie aber auch mit. Die größte Auswirkung auf das weltweite Klima habe die Fleischproduktion. „Wir produzieren zu viel Fleisch, das wir dann exportieren, aber wir importieren Futtermittel für dieses Fleisch. Dieses System krankt, das müssen wir ändern“ sagte Ebner kämpferisch. „Außerdem ist die heutige Nutztierhaltung den Verbrauchern nicht mehr vermittelbar. Deswegen brauchen wir ein Haltungskennzeichnung wie bei den Eiern.“ Auch neue Methoden der Gentechnik in der Landwirtschaft, die als Problemlösung verkauft würden, müssten dringend reguliert werden: „Gentechnik ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem man alles machen kann“. Deswegen sei eine gemeinsame Agrarpolitik der EU so wichtig. Für alle müssten die gleichen Regeln gelten. Die Fördergelder der EU müssten nach Gemeinwohlleistung und nicht mehr nach Fläche vergeben werden. Die Forschungsgelder müssen ebenfalls anders verteilt werden, damit in Richtung Nachhaltigkeit geforscht wird. „Deswegen müssen wir am 26. Mai 2019 für Europa wählen“, schließt Ebner seinen Vortrag. Vor seinem Vortrag in Zußdorf hatte sich Harald Ebner ein Bild von der Bio-Musterregion Ravensburg gemacht. Er besuchte den Rösslerhof von Gereon Güldenberg bei Schlier und diskutierte dort die Möglichkeiten der Eigenvermarktung. Anschließend besuchte Ebner die „Ölmühle Oberschwaben“ von Berthold Dreher in Wangen-Schauwies. Die Ölmühle handelt international und gehört den Top 10 der Bioölmühlen. Sie produziert hauptsächlich für die Lebensmittelindustrie und verarbeitet rund 8000 Tonnen Biosaaten jährlich.itet. Hauptsächlich werden Sonneblumenöl und Rapsöl produziert, aber es stehen auch kleine Pressen für Sonderöle zur Verfügung. Nicht nur die Wangener Mühle und der Rößlerhofs, sondern alle zahlreichen Bio-Produzenten in der Bio-Musterregion Ravensburg berichten aufgrund des wachsenden Bio-Lebensmittelmarkts von einer starken Nachfrage.